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Heiliger Rabbatz

Daß zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Medien Tausende Stunden und Seiten mit den jüngsten Vereinsnachrichten einer Aberglaubensgemeinschaft füllen, ist – anders als die wöchentlich drei anderen, die sie ausrufen wie der Marktschreier sein Popcorn – fürwahr ein historisches Datum. Es zeigt an, wie tief im Mittelalter Europa noch steckt. Wäre es anders, hätte die Gesellschaft ihren Meinungs- und Stimmungsproduzenten bedeutet, sie nicht mit Details von Vereinshändeln wie dem das Bistum Limburg und seinen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst betreffenden zu belästigen, weil es doch keinen denkenden Menschen, der also nicht Mitglied im Verein Una Sancta Catholica ist, interessieren kann, für wen oder was der Vorsitzende in die Vereinskasse gegriffen hat. Aber nein: Sogar die »Zeitung für Deutschland«, die sonst als Pflichtblatt der Frankfurter Börse firmiert, führt sich seit Wochen auf, als wolle sie künftig »Zeitung für das Bistum Limburg« heißen. Eine Sache für denkende Menschen wird es erst, wenn kirchliche Funktionäre sich in Dinge mischen, die sie einen Dreck angehen; wenn sie ihre sogenannten Lehren Leuten aufzuzwingen versuchen, die mit ihrem Verein und seinem Hokuspokus nicht das geringste zu schaffen haben wollen; wenn sie, wie es beispielsweise ihr sogenannter Papst jüngst tat, der Politik und der Gesellschaft raten, mit Homosexuellen »barmherzig« umzugehen, wie sie es mit armen Sündern zu tun behauptet, die der Nachsicht und der Betreuung bedürfen. Für eine Frechheit wie diese gebührt dem heiligen Stuhlfurzer eins auf die Pappen. Beschränkt er sich hingegen darauf, die schwulen und die weiblichen Mitglieder seines Vereins zu piesacken, geht das die Öffentlichkeit nichts an. Kein Schwuler und keine Frau ist gezwungen, Mitglied eines Vereins zu werden, zu sein oder zu bleiben, der gegründet wurde, Homosexuelle zu verfolgen und Frauen zu unterdrücken. Es käme ja auch kein Mitglied eines Vogelschutzbunds auf die Idee, beim Vorstand den Erwerb von Kleinkalibergewehren zu beantragen, um die Jagd auf Adler und Nachtigallen zu eröffnen. Man zeige seiner Eminenz die Arschkarte und mache sich mit dem Mitgliedsbeitrag vom Hof.

– Hermann L. Gremliza –

 

PS: Bevor nun wieder (wie vor zwei Jahren die Seite KONKRET-Watch) einer entdeckt, »wie ressentimentgeladen jemand ist, der seine Kindheit in einem schwäbisch-protestantischen Elternhaus verbracht hat und diese Prägung nie so ganz ablegen konnte«, und deshalb darauf hinweisen muß, »daß der Katholizismus ein Aberglaube ist« – weil: »soviel Martin Luther muß schon sein«, sei bei dieser Gelegenheit richtiggestellt: Der schwäbische Autor ist im heiligen Köln geboren, katholisch getauft, hat Kommunion und Firmung empfangen, Exerzitien in einem Jesuitenkloster absolviert und ist leider erst mit 27 aus der Kirche ausgetreten.

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