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Michael Schilling über den Fall Skripal 

Zwei Dutzend Filme über Bond, James Bond, »Agent 007«, und seine »Lizenz zum Töten« haben einer Milliarde Menschen Mitteilung gemacht, dass Agenten böse Agenten umbringen dürfen. Fällt dann irgendwann ein Name wie Sergej Skripal, »schrillen« bei der »Berliner Morgenpost« und allen anderen Morgen-, Mittags- und Abendposten »alle Alarmglocken«. Unter der Schlagzeile »Ließ der Kreml den Spion vergiften?« antwortete das eine Blatt für alle:

Sergej Skripal ist ein russischer Exspion, der als Doppelagent für den Westen gearbeitet hatte. Der 66jährige wurde am Sonntagnachmittag zusammen mit seiner 33jährigen Tochter Julia bewusstlos auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum in der südenglischen Stadt Salisbury aufgefunden. Zur Zeit ringen Skripal und seine Tochter auf der Intensivstation um ihr Leben. Fast alle Medien im Königreich zogen ihre eigenen Schlüsse: Skripal sei höchstwahrscheinlich auf Anweisung des Kreml vergiftet worden.

Die Parallelen zum Fall Alexander Litwinenko sind allzu offensichtlich. Vor elf Jahren war der russische Exagent, der im britischen Asyl lebte, ermordet worden. Er hatte sich mit zwei ehemaligen Kollegen im November 2006 zum Tee in einem Londoner Hotel getroffen. Der Tee war mit dem radioaktiven Isotop Polonium 210 versetzt. Noch auf seinem Totenbett hatte Litwinenko den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seine Ermordung verantwortlich gemacht.

Dass Geheimdienste jeglichen Staats, die Ihrer Majestät, die CIA, der KGB, der BND eine licence to kill beanspruchen, lernt der mit dem Smartphone gezeugte Nachwuchs schon in der Kita, wo er auch beigebracht kriegt, nicht denken zu können, dass Morde und Mordversuche wie die an Skripal und Litwinenko nur dann von einem russischen Dienst auf Anweisung Putins begangen sein können, wenn es Absicht Putins oder seines Dienstes gewesen wäre, dass sie so verstanden werden. War die Absicht Putins eine andere, hätte er den Anschlag so organisiert, dass dessen Umstände die Mediendeppen in eine ganz andere Falle gelockt hätten. Für »›Bild‹ dir deine Meinung«-Bürger: War es Putin, der die »Alarmglocken« schrillen ließ, war er es nicht. Hat Putin keine Alarmglocken schrillen lassen, könnte er es gewesen sein.

Michael Schilling

 

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